Ich bin dein Vater...

Die in den 1920er-Jahren in Frankfurt gestaltete »Futura« ist bis heute ein Schriftklassiker. Von ihrem Gestalter Paul Renner als »Schrift unserer Zeit« bezeichnet, ist sie immer noch eine der bekanntesten Schriften der Welt. Und mehr als das — sie flog sogar zum Mond.

Gemeinhin wird Paul Renner unumstritten als der Schöpfer der »Futura« angesehen. Doch aufgrund einer rätselhaften Skizze, die im Archiv des Frankfurter Architekten Ferdinand Kramer auftauchte, werden Stimmen laut, die die (alleinige) Autorenschaft Renners infrage stellen. Die auf der Zeichnung abgebildeten Großbuchstaben weisen eine verblüffende Ähnlichkeit mit denen der »Futura« auf — um nicht zu sagen, sie sind nahezu identisch! Die häufig unter dem Namen »Kramer Grotesk« abgebildete Skizze wirft somit die Frage auf: Wer inspirierte wen? Einige sehen in Kramer gar den heimlichen, aber wahren Schöpfer der »Futura«.

Skizze der »Kramer Grotesk«*

Vom heutigen Standpunkt aus ist die Geschichte natürlich schwer zu beurteilen und einzuordnen. Als junger Architekt, arbeitete Ferdinand Kramer nach dem Ersten Weltkrieg unter Ernst May am Wiederaufbau Frankfurts. Zur gleichen Zeit wurde Paul Renner beauftragt, Schriften für die neu entstandenen Gebäude zu entwerfen. Dadurch ist es relativ sicher, dass die beiden Gestalter sich kannten und sich über ihre Ideen und ihre Arbeit austauschten.

Die gestalterische Herangehensweise der beiden war tatsächlich sehr ähnlich: beide strebten nach Modernität und wollten in ihrem Schaffen mit allem Althergebrachten brechen. Technische Reduziertheit, das Ablehnen von ornamentalen Elementen und Handschrift und modulare, reproduzierbare Gestaltung waren grundlegende Bestandteile ihrer Gestaltungsprinzipien.

Kramer arbeitete in seiner Architektur alles bis ins kleinste Detail aus, er entwarf nicht nur die Gebäude, sondern gestaltete auch darüber hinaus Details, von Möbeln bis hin zu Türklinken — die »Mikroarchitektur« sozusagen. Die Tatsache, dass er auch teilweise Schriften für die Beschilderung seiner Bauten entwarf, tat ein Übriges, um den Mythos um die »Kramer Grotesk« zu nähren.

Wir waren nicht die Einzigen, die, interessiert an der Geschichte, das Geheimnis um diese rätselhafte Schrift lüften wollten: Kurz nachdem wir im Frühjahr 2017 mit unserer Arbeit begonnen hatten, veröffentlichte Joep Pohlen einen äußerst spannenden Artikel auf typophile.com, den man hier lesen kann.

*Klingspor Museum Offenbach am Main

Die in den 1920er-Jahren in Frankfurt gestaltete »Futura« ist bis heute ein Schriftklassiker. Von ihrem Gestalter Paul Renner als »Schrift unserer Zeit« bezeichnet, ist sie immer noch eine der bekanntesten Schriften der Welt. Und mehr als das — sie flog sogar zum Mond.

Gemeinhin wird Paul Renner unumstritten als der Schöpfer der »Futura« angesehen. Doch aufgrund einer rätselhaften Skizze, die im Archiv des Frankfurter Architekten Ferdinand Kramer auftauchte, werden Stimmen laut, die die (alleinige) Autorenschaft Renners infrage stellen. Die auf der Zeichnung abgebildeten Großbuchstaben weisen eine verblüffende Ähnlichkeit mit denen der »Futura« auf — um nicht zu sagen, sie sind nahezu identisch! Die häufig unter dem Namen »Kramer Grotesk« abgebildete Skizze wirft somit die Frage auf: Wer inspirierte wen? Einige sehen in Kramer gar den heimlichen, aber wahren Schöpfer der »Futura«.

Skizze der »Kramer Grotesk«*

Vom heutigen Standpunkt aus ist die Geschichte natürlich schwer zu beurteilen und einzuordnen. Als junger Architekt, arbeitete Ferdinand Kramer nach dem Ersten Weltkrieg unter Ernst May am Wiederaufbau Frankfurts. Zur gleichen Zeit wurde Paul Renner beauftragt, Schriften für die neu entstandenen Gebäude zu entwerfen. Dadurch ist es relativ sicher, dass die beiden Gestalter sich kannten und sich über ihre Ideen und ihre Arbeit austauschten.

Die gestalterische Herangehensweise der beiden war tatsächlich sehr ähnlich: beide strebten nach Modernität und wollten in ihrem Schaffen mit allem Althergebrachten brechen. Technische Reduziertheit, das Ablehnen von ornamentalen Elementen und Handschrift und modulare, reproduzierbare Gestaltung waren grundlegende Bestandteile ihrer Gestaltungsprinzipien.

Kramer arbeitete in seiner Architektur alles bis ins kleinste Detail aus, er entwarf nicht nur die Gebäude, sondern gestaltete auch darüber hinaus Details, von Möbeln bis hin zu Türklinken — die »Mikroarchitektur« sozusagen. Die Tatsache, dass er auch teilweise Schriften für die Beschilderung seiner Bauten entwarf, tat ein Übriges, um den Mythos um die »Kramer Grotesk« zu nähren.

Wir waren nicht die Einzigen, die, interessiert an der Geschichte, das Geheimnis um diese rätselhafte Schrift lüften wollten: Kurz nachdem wir im Frühjahr 2017 mit unserer Arbeit begonnen hatten, veröffentlichte Joep Pohlen einen äußerst spannenden Artikel auf typophile.com, den man hier lesen kann.

*Klingspor Museum Offenbach am Main