Das Redesign der Schrift, die es niemals gab

Modifikationen des großen und kleinen »Display«-Gs

Bei unserer Arbeit an der »Neuen Kramer Grotesk« haben wir großen Wert darauf gelegt, uns eher konzeptionell als formal an Ferdinand Kramer und Paul Renner zu orientieren. Wir wollten keine vergangenen Moden wieder aufleben lassen, sondern etwas Zeitgenössisches schaffen, das für sich selbst spricht und gleichzeitig Gestaltungsprinzipien aus Frankfurts Designgeschichte fortsetzt, neu interpretiert und infrage stellt.

Die Skizze der sogenannten »Kramer Grotesk« war die Grundlage unserer Arbeit. Einige Details (wie die Spitzen oder den leicht staksigen Charakter der usprünglichen Großbuchstaben) haben wir beibehalten, doch darüber hinaus haben wir den Rhythmus überarbeitet, sowie die Lesbarkeit durch Formen wie beispielsweise ein zweistöckiges »a« und ein dreistöckiges »g« in der Textschrift verbessert. Die gesamte Familie wurde als anwendungsspezifische Multiple-Master-Schrift konzipiert: Es gibt zwei Styles — »Text« (für kleinere Schriftgrößen optimiert) und »Display« (für Plakate und Überschriften) —und diese jeweils in fünf Gewichten. Eine Slanted-Variante ist in Arbeit.

Eine »Display«-Überschrift in den fünf verschiedenen Schnitten

Ferdinand Kramer lehnte alles Ornamentale ab und auch Paul Renner bezeichnete handschriftliches Schreiben (und jegliche von der Handschrift kommende Buchstabenform) als altmodisch. Beide suchten nach völlig neuen Wegen zu gestalten. In seinem Manifest »Futura - Die Schrift unserer Zeit« erklärte Paul Renner, dass eine moderne Schrift immer aus den neuesten technischen Herstellungsmethoden heraus entstehen sollte. Zu seiner Zeit war das der Bleisatz, der es neuerdings ermöglichte, sehr geometrische und statische Schriften zu gestalten. Die frühen alternativen Glyphen der Futura — geometrische Buchstabenexperimente — machen deutlich, wie radikal Renner sein Manifest umzusetzen versuchte.

Wir haben uns in Bezug auf unsere Schrift die Frage gestellt, was heute die Werkzeuge und Materialien sind, mit denen gestaltet wird. Wie unterscheidet sich der heutige Designprozess von demjenigen vor fast 100 Jahren? Wir arbeiten heute mit neuen Werkzeugen wie OpenType, Responsive  Typography und Animation. Die »Neue Kramer Grotesk« ist zwar ebenfalls nach architektonischen Prinzipien gestaltet, doch durch ihre Fluidität und digitale »Immaterialität« erhält sie eine ganz neue Art der Dynamik; allerdings eine, die von anderer Natur ist als  die handschriftliche.

Eine Übersicht der »Display«-Alternativen

Wie auch schon die »Futura« besitzt die »Neue Kramer Grotesk Display« ebenfalls alternative Glyphen, allerdings werden diese nach weitaus strengeren Regeln konstruiert. Die Buchstabenvariationen entstehen stets innerhalb des Buchstabenskeletts, wir geben den Glyphen keine künstliche Anatomie wie es die »Futura« tat. Wir versetzen die Architektur des Buchstaben in Bewegung, die Varianten selbst ähneln den Frames einer Animation. Die Proportionen werden innerhalb dieser Logik verändert, Balken können verlängert oder verkürzt werden, Radien verändert und Kreise geöffnet oder geschlossen  – aber Kurven bleiben Kurven und Geraden bleiben Geraden.

Der dynamische Charakter der Schrift wird von einer integrierten Random-Funktion ergänzt, die automatisch die Glyphen durchwechselt, während man am Computer tippt.

Das Redesign der Schrift, die es niemals gab

Modifikationen des großen und kleinen »Display«-Gs

Bei unserer Arbeit an der »Neuen Kramer Grotesk« haben wir großen Wert darauf gelegt, uns eher konzeptionell als formal an Ferdinand Kramer und Paul Renner zu orientieren. Wir wollten keine vergangenen Moden wieder aufleben lassen, sondern etwas Zeitgenössisches schaffen, das für sich selbst spricht und gleichzeitig Gestaltungsprinzipien aus Frankfurts Designgeschichte fortsetzt, neu interpretiert und infrage stellt.

Die Skizze der sogenannten »Kramer Grotesk« war die Grundlage unserer Arbeit. Einige Details (wie die Spitzen oder den leicht staksigen Charakter der usprünglichen Großbuchstaben) haben wir beibehalten, doch darüber hinaus haben wir den Rhythmus überarbeitet, sowie die Lesbarkeit durch Formen wie beispielsweise ein zweistöckiges »a« und ein dreistöckiges »g« in der Textschrift verbessert. Die gesamte Familie wurde als anwendungsspezifische Multiple-Master-Schrift konzipiert: Es gibt zwei Styles — »Text« (für kleinere Schriftgrößen optimiert) und »Display« (für Plakate und Überschriften) —und diese jeweils in fünf Gewichten. Eine Slanted-Variante ist in Arbeit.

Eine »Display«-Überschrift in den fünf verschiedenen Schnitten

Ferdinand Kramer lehnte alles Ornamentale ab und auch Paul Renner bezeichnete handschriftliches Schreiben (und jegliche von der Handschrift kommende Buchstabenform) als altmodisch. Beide suchten nach völlig neuen Wegen zu gestalten. In seinem Manifest »Futura - Die Schrift unserer Zeit« erklärte Paul Renner, dass eine moderne Schrift immer aus den neuesten technischen Herstellungsmethoden heraus entstehen sollte. Zu seiner Zeit war das der Bleisatz, der es neuerdings ermöglichte, sehr geometrische und statische Schriften zu gestalten. Die frühen alternativen Glyphen der Futura — geometrische Buchstabenexperimente — machen deutlich, wie radikal Renner sein Manifest umzusetzen versuchte.

Wir haben uns in Bezug auf unsere Schrift die Frage gestellt, was heute die Werkzeuge und Materialien sind, mit denen gestaltet wird. Wie unterscheidet sich der heutige Designprozess von demjenigen vor fast 100 Jahren? Wir arbeiten heute mit neuen Werkzeugen wie OpenType, Responsive  Typography und Animation. Die »Neue Kramer Grotesk« ist zwar ebenfalls nach architektonischen Prinzipien gestaltet, doch durch ihre Fluidität und digitale »Immaterialität« erhält sie eine ganz neue Art der Dynamik; allerdings eine, die von anderer Natur ist als  die handschriftliche.

Eine Übersicht der »Display«-Alternativen

Wie auch schon die »Futura« besitzt die »Neue Kramer Grotesk Display« ebenfalls alternative Glyphen, allerdings werden diese nach weitaus strengeren Regeln konstruiert. Die Buchstabenvariationen entstehen stets innerhalb des Buchstabenskeletts, wir geben den Glyphen keine künstliche Anatomie wie es die »Futura« tat. Wir versetzen die Architektur des Buchstaben in Bewegung, die Varianten selbst ähneln den Frames einer Animation. Die Proportionen werden innerhalb dieser Logik verändert, Balken können verlängert oder verkürzt werden, Radien verändert und Kreise geöffnet oder geschlossen  – aber Kurven bleiben Kurven und Geraden bleiben Geraden.

Der dynamische Charakter der Schrift wird von einer integrierten Random-Funktion ergänzt, die automatisch die Glyphen durchwechselt, während man am Computer tippt.